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“False-Memory-Syndrome: Vom Gedächtnis gefährlich getäuscht”

So lautet der Titel des am 01.08.2011 veröffentlichten Artikels im “Stern” und handelt von induzierten Erinnerungen durch unseriöse Therapeuten. Erinnerungen an Ereignisse, die nie stattgefunden haben.

Gefährlich würde dies, wenn dadurch aus Menschen Missbrauchsopfer werden, die sie nie waren. Andrea Kappelmann berichtet dem “Stern”, sie habe ihre Eltern mit Briefen, Karten und Telefonaten “bombadiert”, um eine einzige Nachricht zu übermitteln: “Ihr seid Kinderschänder.”. Sie ging sogar noch weiter und zeigte ihre Eltern bei der Polizei an, in der Annahme, ihr Vater habe sie in ihrer Kindheit sexuell missbraucht. Heute, so sagt sie, wüsste sie, dass es dieses “Inzest- Trauma” nie gab. Doch hätte diese Geschichte auf beiden Seiten Narben hinterlassen.

Die 53-jährige erzählt, eine Lebensberaterin habe ihr diese schreckliche Erinnerung systematisch eingeredet. “Ich sollte glauben, mein Vater hätte mich zum Sex gezwungen. Und meine Mutter habe davon gewusst.”

“Doch diese Bilder hat es in Wirklichkeit nie gegeben”, stellt die Wuppertalerin klar.

Kein Einzelfall, wie der Stern feststellt. Denn immer wieder würden Menschen berichten, dass ihnen von Therapeuten oder Lebensberater, die zumeist zu spirituellen Kreisen gehörten, eingeredet wird, sie seien früher missbraucht worden.

Dass eine “falsche Erinnerung” nicht nur möglich, sondern auch normaler sei, als man denkt, bestätigen auch Elizabeth Loftus, Psychologin, Melanie Steffens, Professorin vom Institut für Psychologie in Jena und Hans Stoffels, ein Berliner Psychiater.

Glücklicher- und notwendigerweise wird in diesem Artikel auch auf die zahlreichen echten Betroffenen hingewiesen, die sich tatsächlich oft jahrzehntelang nicht an den Missbrauch in ihrer Kindheit erinnern können, weil bei ihnen eine Dissoziative Amnesie vorliegt.

Ich persönlich sehe das Problem weniger darin, dass so “Familien zerstört werden”, sondern darin, dass durch diese Therapeuten die echten Opfer aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und der Wissenschaft geraten. Keine Frage, durch fälschlicherweise induzierte Erinnerungen an einen Missbrauch, den es nie gab, leidet nicht nur das Umfeld, sondern auch die Betroffenen selbst. Aber die meisten Opfer von sexuellem Missbrauch haben auch ohne die Vorwürfe, ihre Angaben stimmten nicht, Angst, dass man ihnen nicht glaubt.

Quelle: www.stern.de

 

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