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Inzestverbot!?

Mit der Entscheidung des Europäischen Gerichthofs vor ein paar Tagen zum Thema Inzest ja oder nein werden viele Stimmen laut. Die Meinungen gehen auseinander. Einige werden laut und sagen: Richtig so! Andere Stimmen hingegen behaupten das Gesetz sei überholt, müsste abgeschafft werden.

Hauptaugenmerk legen sie dabei scheinbar “nur” auf die “Geschwisterliebe” über die in den letzten Jahren immer wieder berichtet wurde.

Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat dazu eine Pressemitteilung verfasst, die nun für Aufsehen sorgt und die Frage nahebringt:

Weg frei für legalen Kindesmissbrauch? (B.uergerrechtler/twitter)

Was in den Hintergrund zu rücken scheint, ist innerfamiliärer sexueller Missbrauch. Wie werden Täter dann künftig argumentieren, sollten sie zur Rechenschaft gezogen werden? Welche weiteren Lücken werden diverse Personenkreise im Gesetz nutzen oder ausfindig machen, um damit eigentliche Straftaten zu legalisieren?

 

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12 Kommentare auf “Inzestverbot!?”

  1. Christina sagt:

    Urteil spaltet die Politik – Ströbele will Inzest legalisieren
    Ströbele: “Das sollen erwachsene Menschen selbstbestimmt, verantwortlich, moralisch, religiös selber entscheiden und nicht der Staat mit Strafen eingreifen.”
    http://www.n-tv.de/politik/Stroebele-will-Inzest-legalisieren-article6013431.html

  2. Christina sagt:

    Wer schützt dann die Kinder? (deren Nein dann kaum etwas zählen mag?)

  3. Katja sagt:

    Ich kann dazu wirklich nur den Kopf schütteln. Ich verstehe es einfach nicht, verstehe diese Politik einfach nicht. Und ich weiß auch nicht, ob ich das wirklich verstehen will.
    Liebe Grüße, Katja

  4. Ingo sagt:

    Offenbar ist es der Piratenpartei vollkommen egal woher sie Ihre Prozentpunkte bekommt. Egal wo die Wählerschaft herkommt, denn sonst ist nicht zu verstehen das die Piraten für eine Streichung des Inzestparagraphen stehen.

    http://www.piratenpartei.de/2012/04/13/piratenpartei-lehnt-inzestverbot-ab/

    Ingo

  5. Michael sagt:

    Generell: Warum wird Inzest und Missbrauch gleichgestellt? Missbrauch ist strafbar mit oder ohne Inzest-Hintergrund. Auch der Bereich Missbrauch Schutzbefohlener muss strafbar bleiben. Ist das aber alles, was unter Inzest zu verstehen ist? Was ist mit Geschwistern die sich lieben, keine Kinder haben wollen und einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen?
    Ich finde es nicht gut dass in obigem Artikel Inzest mit innerfamiliärem Missbrauch auf eine Stufe gestellt wird! Das ist wie Sexualität zu verbieten, weil es Missbrauch, Vergewaltigungen und Prostitution gibt. Oder den ganzen Islam, weil es fanatische Mitglieder gibt die Morden und Töten. Inzest ist eine Bezeichnung die per se keine Gewalt impliziert. In obigem Artikel wird dies aber agitativ unterstellt! So sollte man keine Diskussion führen!
    Das ist auch genauso wie zu sagen “Die Piraten sind für Inzest, und damit für Missbrauch”. Sorry, aber dies ist unterste Schiene!

    • Birmas sagt:

      “Generell: Warum wird Inzest und Missbrauch gleichgestellt?”

      Hallo Michael!
      Sicher ist das nicht immer, in jedem Fall gleichzusetzen.
      Hier, auf dem Blog von gegen-missbrauch, trifft man allerdings auf sehr viele Betroffene. Dass dann eine Gleichsetzung stattfindet, finde ich nicht erstaunlich, wenn es vielleicht auch polemisch auf Dich wirkt.
      Hier schreiben zum größten Teil Menschen, die (inzestuösen) MB erlebt haben und die sehr oft schon auch bei der heutigen Gesetzeslage nicht anzeigen, weil die Hemmungen Anzeige gegen die eigene Mutter, den eigenen Vater usw zu groß sind.
      Daher bitte ich Dich um Verständnis für die vielleicht einseitig erscheinende Sicht.
      Meine weiteren Gedanken zu diesem Thema kannst Du, bei Interesse, weiter unten bei den Kommentaren lesen.

      MfG
      Birmas

  6. kmc sagt:

    Die Position ist durchaus zu verstehen:
    »Mit der strafrechtlichen Verfolgung des einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs zweier erwachsener Menschen wird ganz grundlegend in das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit eingegriffen. Wir lehnen solche Eingriffe als Partei ab.«
    Hier geht es nicht um Kinder oder die Sache an sich, sondern um ein “Nein” zu Reglementierung und Gesetzgebung zu privaten Themen die “zwischen … erwachsenen Menschen” stattfinden oder nicht stattfinden.
    Das ist absolut auf der Linie der Piratenpartei und kaum als “Stimmenfang” zu sehen, ob man dieser Linie nun zustimmt oder nicht.

  7. Klara sagt:

    Die kulturelle Komponente von solchen Gesetzen kann ich noch sehen. Man müsste gucken, ob es in unserer Zeit nicht aushaltbar wäre, da toleranter zu sein. Ich könnte auch moralisch nachvollziehen, wenn man sagt, Geschwister dürfen keine Kinder zeugen wegen der “Volksgesundheit”. (Obwohl es da ja dann noch andere Konstellationen gibt, wo ein „krankes“ Kind entstehen kann)
    Erwachsene, die Kinder missbrauchen, werden sich von dem Paragraphen nicht mehr und nicht weniger davon abhalten lassen, denk ich mal. Einzig und allein können die Täter/innen vor Gericht Einvernehmen behaupten. Genauso wie Täter/innen innerhalb der Ehe. Da ist auch Vergewaltigung verboten obwohl der Beischlaf erlaubt ist.
    Ich würde mir wünschen bei den Betroffenen genau hin zu sehen, ob da Missbrauch vorliegt oder nicht.
    Ich würde mir eine offenere Diskussion wünschen, in der nicht gleich Befürworter der Nicht-Reglementierung von einvernehmlichem Sex erwachsener Geschwister miteinander mit Missbrauchsbefürwortern gleichgesetzt werden.
    Freundliche Grüße von Klara.

  8. Birmas sagt:

    Ich verstehe das auch, was gemeint ist.
    Einvernehmlichkeit zwischen Erwachsenen.
    Die Frage ist, wie eine solche Gesetzesänderung genutzt wird.
    Schon heute werde Betroffene vor Gericht unglaubwürdig gemacht, wird ihnen eine Mitverantwortung und Schuld zugewiesen.
    Die Argumentationen der Verteidigung klingt mir jetzt schon in den Ohren.
    Die Befragungen, die oft die Unglaubwürdigkeit der Betroffenen unterstreichen, ihre Ambivalenz deutlich machen und nicht zuletzt sie selbst verwirren und erschüttern soll, würde durch eine Gesetzesänderung, die jetzt angedacht ist, noch invasiver, noch belastender, noch beängstigender.
    Von den Argumentationen der Täter ganz zu schweigen.

    Ich denke in den seltensten Fällen ist es so, wie in dem Beispielfall, wo sich zwei Menschen, die Geschwister sind, erst im Erwachsenenalter treffen und sich ineinander verlieben.
    Dieser Fall ist dramatisch und würde für mich persönlich nach einer Ausnahmeregelung verlangen.

    Dass eine Einvernehmlichkeit zwischen Erwachsenen antrainiert sein kann durch jahrelangen innerfamiliären Missbrauch, ist vielleicht schwer vorstellbar, aber durchaus häufiger zu finden, als eben die Erwachsnen, die sich kennen lernen, nachdem sie eine gesunde Einstellung zur sexuellen Selbstbestimmung entwickeln konnten.
    Das können die Menschen, die in inzestuösen Familien aufwachsen nicht.
    Im Gegenteil, viele Opfer müssen erst den Kontakt zu der Täterfamilie abbrechen, um überhaupt eine Idee zur sexuellen Selbstbestimmung zu entwicklen und vor allem, um weitere sexuelle Übergriffe zu vermeiden, weil es für sie in der gewohnten familiären Situation keine Entscheidungoption gibt.

    Was ich mir wünsche ist eine sachliche Diskussion, die sich nicht an einem Einzelfall ausrichtet, sondern die die massiven psychischen Beeinträchtigungen der sexuellen Selbstbestimmung, die Inzest-Opfer erleiden, mit einbezieht und so auch deutlicher in der Öffentlichkeit thematisiert.
    Eine politische Debatte, die sich einmal wirklich offenen Auges mit den Folgen von Missbrauch auseinander setzt, ohne im Hinterkopf zu haben, dass das vielleicht richtig “ins Geld gehen” könnte, wenn plötzlich noch ganz andere Entschädigungsforderungen geltend gemacht werden kÖnnten.

    Ich habe einfach die Befürchtung, dass, wenn Inzest legalisiert wird, keine weiteren Ermittlungen stattfinden, denn das kostet Zeit und Geld.
    Und zum anderen, dass noch weniger Opfer sich überwinden und den Mut finden innerfamiliären Missbrauch zur Anzeige zu bringen.
    Denn was Papa/Onkel/Bruder da machen, das ist ja schließlich nicht strafbar.

    Auf die genauen Gesetzesentwürfe zur Entkriminalisierung von Inzest bin ich gespannt.
    Ich denke nicht, dass es um Stimmenfang geht, aber ich denke, das bedarf einer sehr, sehr durchdachten Formulierung, die keinen täterfreundlichen Argumentationen Vorschub leistet.

    MfG
    Birmas

    • Katja sagt:

      Hallo Birmas,
      ich danke dir sehr für deine klaren Worte, mir haben sie gefehlt. Für mich triffst du es auf den Punkt, du (be-) schreibst, woran auch ich bei diesem Thema denke. Ich danke dir dafür.
      Liebe Grüße, Katja

  9. Dea sagt:

    Im Vordergrund der Geschwisterliebe, im vermeintlichen gegenseitigen Einvernehmen von erwachsenen selbstbestimmten Menschen, wird hier ein Tabu gebrochen, daß bisher noch einen gewissen Schutz gab. Wenn das Inzestverbot fällt, haben wir immer die Frage bei Kindern ab 14 Jahren ob, wie, wann, wie lange sie in einem Abhängigkeits- oder Obhutsverhältnis zur Tatzeit standen. Sexualität zwischen (Stief)vater und Tochter oder Sohn bzw. (Stief)mutter und Sohn oder Tochter muss Inszest bleiben!!! Geschwisterliebe innerfamiliär ist nicht frei und selbstbestimmt, insbesondere wenn der ältere Bruder die wesentlich jüngere Schwester mißbraucht. Was ist mit der 14jährigen, der vom 20jährigen Bruder “gezeigt wird, wie es geht”….

  10. Michael sagt:

    “Ich habe einfach die Befürchtung, dass, wenn Inzest legalisiert wird, keine weiteren Ermittlungen stattfinden, denn das kostet Zeit und Geld.” Zitat Birmas
    Zunächst … dies ist sicherlich ein Argument, dem ich in der Vorahnung nicht widersprechen kann! Auch ich finde deine Worte wohl gewählt. Sie heben sich deutlich von den eher marktschreierischen Forderungen ab. Das mit dem Hinweis auf das zentrale Thema dieses Portales ist auch richtig! Da muss ich mich natürlich darauf einstellen.

    Vielleicht würde eine entsprechend geänderte, gesetzliche Definition des Begriffes “Inzest” mehr Klarheit schaffen, worüber man eigentlich spricht! Denn momentan gibt es für jede Argumentation Beispiele, die diese jeweils rechtfertigen würden, weil Inzest eben mit unterschiedlicher Färbung definiert wird. WICHTIG ist aber in meinen Augen einer pauschale Stigmatisierung entgegenzutreten. Denn öffentlich werden, wenn überhaupt, in erster Linie die Missbrauchsfälle, und nicht die Fälle, welche gelebt werden, ohne dass es jemand merkt und ohne dass eine der beiden Seite Probleme damit hat! Denn jegliche Stigmatisierung ist in meinen Augen auch eine Form von “Missbrauch, Mobbing” etc. Woher wissen wir, wieviele es tatsächlich sind? Erst seit Homosexualität kein Tabu-Thema mehr ist, erleben wir, wieviele Homosexuelle es tatsächlich gibt. Für die einen scheint es ein Trend zu sein, in Wahrheit ist es meiner Ansicht nach nur ein Abbild des Tatsächlichen, was nur die ganze Zeit im Untergrund abgelaufen ist.

    Eine deutliche Diskussion darüber, was inzestöser Missbrauch ist wäre wichtig. Sensibilisierung statt Stigmatisierung fände ich den besseren Weg. Den solange Inzest per se verboten ist, ist auch das Opfer von inzestösem Missbrauch schuldig des Inzests!
    Weleches Opfer geht mit diesem Wissen den Weg nach aussen?

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