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Von den Eltern missbraucht, vom Staat ignoriert

Immer wieder blitzen plötzlich kurze Erinnerungen an das Grauen auf – “Nina F.” (Mitglied des Vereins) ist vor 30 Jahren als Kind von ihren Eltern sexuell missbraucht worden. Seit 20 Jahren sucht sie eine geeignete Therapie, um ihr Trauma zu verarbeiten.

Aber sie findet einfach keinen geeigneten Therapeuten. Wie ihr geht es Zehntausenden Missbrauchsopfern in Deutschland, die jahrelang auf einen Therapieplatz warten müssen. Häufig sind die Krankenkassen nicht bereit, die Kosten einer Therapie zu übernehmen.

Die Dokumentation begleitet zwei Betroffene, ein Missbrauchsopfer und einen pädophilen Mann, zeigt aber auch vereinzelte Lichtblicke. So setzt sich ein FDP-Bundestagsabgeordneter aus Schwerin dafür ein, die frühzeitige Begutachtung von Sexualstraftätern im Gerichtsverfahren gesetzlich verankern zu lassen. Bisher werden diese Täter nämlich nicht auf ihre Gefährlichkeit und Rückfallgefahr hin untersucht und deshalb auch kaum therapiert.

Diese Sendung vom 24.05. stellt eine neu zusammengeschnittene Fassung dar und ist als Live-Stream in der ARD-Mediathek zu sehen.

Die ursprüngliche Dokumentation trägt den Titel 45 min – Das missbrauchte Kind. Sie wurde am 19.04. auf NDR ausgestrahlt und ist dort in der Mediathek enthalten.

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2 Kommentare auf “TV-Doku im ARD – Nina F.”

  1. Irmgard sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    auch ich wurde als Kind jahrelang vergewaltigt (hat sich schon einmal jemand Gedanken über den Terminus “sexueller Missbrauch” Gedanken gemacht? Gibt es auch einen sexuellen Gebrauch von Kindern? Ich bin für die allgemeine Einführung von dem Wort Vergewaltigung, denn es ist Gewalt!).
    Die Übergriffe fanden zwischen 1957 und 1970 statt. Bis zum Tod meines Erzeugers (die Bezeichnung Vater verdient er nicht!) 1994 habe ich die Erlebnisse in einem seelischen “Schutzsafe” vergraben. Erst dann kamen die Erinnerungen. Dann begann die Suche nach einem geeigneten Therapeuten. Für die erste Intervention zur Stabilisierung (ich hatte schließlich einen 7-Personen-Haushalt zu versorgen!) erhielt ich eine Therapie in einer evangelischen Beratungsstelle. Die hat mir auch erst einmal geholfen.
    Vor zwei Jahren, 2009 starb einer meiner Brüder. Er und mein anderer Bruder hatten mich in den Jahren nach dem Tod meines Vaters aus der Familie ausgeschlossen und wollten mich nicht sehen. Mit dem Tod des Bruders waren wieder alle Erinnerungen präsent und belastend. Ich fiel in ein tiefes Loch, war wieder suizidgefährdet. Wieder begann die Suche nach einem Therapieplatz.
    Erst jetzt, im Februar 2011, habe ich eine Therapeutin in Düsseldorf gefunden, mit der ich gut zurecht komme. Ich bin inzwischen Frührentnerin mit einer kleinen Rente.
    Auch meine Suche nach einem Therapieplatz war schwierig. Wenn ich nicht durch die Liebe zu meinen Kindern davon abgehalten worden wäre hätte ich mich sicher umgebracht.
    Wenn ich bedenke, dass ich jahrelang mit meinen Steuern die Therapien von Vergewaltigern mit bezahlt habe, dann dreht sich mir der Magen um!
    Jetzt bin ich auf einem guten Weg meine Erlebnisse zu verarbeiten.
    Aber ich würde sehr gerne etwas in der Politik bewegen. Es kann nicht sein, dass ein Vergewaltiger oft weniger bestraft wird als ein Bankräuber! Es kann nicht sein, dass Vergewaltigungen, auch an Kindern, überhaupt verjähren! Es kann nicht sein, dass die Rechtsprechung an die Rechte der Täter denkt und an deren “Resozialisierung” (die ich im Übrigen für unmöglich halte) und die Rechte und die Resozialisierung (in einem anderen Sinn) der Opfer ignoriert. Da muss sich dringend etwas ändern!

    • Christina sagt:

      Hallo Irmgard,
      Ihren Unmut kann ich absolut nachvollziehen. Der Verein kämpft unter anderem für eine schärfere Gesetzgebung. Die Mühlen mahlen langsam. Wenn man bedenkt wie viele Stellen Einfluss auf die einzelnen Schritte der Rechtssprechung und Gesetzgebung haben, ist verständlich warum es mitunter so lange dauert, bis sich sichtbar etwas ändert. Was es natürlich nicht weniger unverständlich macht, weshlab diskutiert wird in welchen Ausmaßen jemand verurteilt wird, der maßgeblich das Leben eines anderen Menschen beeinflusst.

      Wie auch Sie schon schrieben, Bankräuber, Steuerhinterzieher erhalten eine weitaus höhere Strafe, als die Person die ein Menschenleben nahzu vernichtet mit einer solchen Grenzüberschreitung.

      Mit dem Lautwerden des Themas Missbrauch in den Medien werden erste Schritte aus der Tabuzone heraus gegangen. Noch ziemlich kleine Schritte, wenn man bedenkt wo überall “Nachbesserung” erforderlich ist. Doch ich denke auch Justizia wird nicht ohnehin kommen etwas zu ändern.

      Christina

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