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Störung

2 Dissoziative Störungen

2.1 Allgemeines zu Dissoziativen Störungen: Zu einer Störung wird Dissoziation erst, wenn der normale, alltägliche Rahmen der Entfremdung von der Realität nicht mehr gegeben ist. Meistens handelt es sich nach traumatischen Erlebnissen um eine "kurzzeitige Unterbrechung der eigenen Bewusstheit, des Gedächtnisses, des Identitätserlebens oder der Wahrnehmung der Umwelt". Dissoziative Störungen werden ganz unterschiedlich erlebt und sind somit auch in Untergruppen unterteilt, die im Folgenden vorgestellt werden. Sie können "plötzlich, in Stufen, vorübergehend oder chronisch verlaufen". Außerdem treten sie oft in Verbindung mit anderen Störungen (z.B. Phobien, posttraumatische Belastungsstörung, etc.) auf und werden daher selten explizit als dissoziative Störung diagnostiziert.

 

2.2 Dissoziative Amnesie: Die dissoziative Amnesie beschreibt das Unvermögen, sich an autobiographische Erlebnisse zu erinnern – meistens sind diese Erinnerungen traumatischen bzw. zumindest psychisch belastenden Ursprungs. Hierbei geht es nicht um das alltägliche Vergessen. Vielmehr ist das Nicht-Erinnern gravierender selbst erlebter Ereignisse gemeint, wobei die Zeitspanne der Gedächtnislücke Minuten bis hin zu Jahren umfassen kann. Wenn ein Betroffener bemerkt, dass ihm offensichtlich "Zeit fehlt", fängt er meistens an, dieser Lücke auf den Grund zu gehen. Das Nicht-Wissen über Geschehnisse, die man selbst erlebt hat, kann quälen und/oder Ratlosigkeit auslösen. Durch gewisse Schlüsselreize können Erinnerungen wiederkehren, manchmal bedarf es aber auch langer therapeutischer Hilfe, um Erinnerungen wieder aufzudecken. Es kommt häufig vor, dass dissoziative Amnesien zusammen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen auftreten.

Begriffe, die im Zusammenhang mit der dissoziativen Amnesie auftauchen können:

  • Retrograde Amnesie kommt am häufigsten vor und umfasst meistens fehlende autobiografische Informationen, die VOR dem Ereignis bekannt waren.
  • Anterograde Amnesie beschreibt eine Phase die NACH dem Ereignis liegt und in der man kein neues Wissen aufnehmen und erinnern kann. Dies kommt eher selten vor.
  • Lokalisierte Amnesie bedeutet, sich an ein bestimmtes Ereignis nicht erinnern zu können (z.B. Autounfall)
  • Teilamnesie heißt, dass Anteile des Geschehenen nicht mehr im Gedächtnis abrufbar sind, wohingegen andere Anteile des gleichen Erlebnisses erinnert werden können.
  • Selektive Amnesie meint Erinnerungslücken, die bestimmte Dinge in einem festen Zeitrahmen umfassen.
  • Systematische Amnesie bedeutet, bestimmte Aspekte nicht erinnern zu können (z.B. bestimmte Personen)


2.3 Dissoziative Fugue: Dieser Begriff beschreibt das plötzliche und unerwartete Weggehen vom eigenen Wohnsitz, Arbeitsplatz o.ä. im Zusammenhang mit der Unfähigkeit, sich an seine eigene bis dahin gewesene Vergangenheit zu erinnern. Die betroffene Person fällt dabei normaler Weise nicht besonders auf. Dabei kann es auch vorkommen, dass die Person "unbewusst" ehemals bekannte Plätze aufsucht. Die Erinnerungen stellen sich entweder nach einer nicht genauer zu definierenden Zeit von selbst wieder ein, können mit therapeutischer Hilfe zurückerlangt werden oder bleiben verschollen.

 

2.4 Dissoziativer Stupor: Es kommt zu einer fast vollständigen Bewegungslosigkeit und einer eingeschränkten Wahrnehmung der Umgebung, obwohl die betroffene Person im Wachzustand ist. Dabei kann die Person auch typischer Weise nur noch bedingt oder gar nicht mehr sprechen. Es handelt sich aber weder um Schlaf noch um Bewusstlosigkeit. Man kann sagen, die Person ist in der Bewegung „eingefroren“, meist plötzlich und der Zustand hält unterschiedlich lange an. Dies kann so weit gehen, dass manche Menschen zeitweise auf einen Rollstuhl angewiesen sind.

 

2.5 Depersonalisierungsstörung: Die Depersonalisierungsstörung kommt bei unterschiedlichen Störungen vor und soll die am häufigsten vorkommende dissoziative Störung sein. Es handelt sich hierbei um eine Entfremdung von sich selbst oder ein „Unwirklichkeitsgefühl“. Oft beschreiben Betroffene, sie sähen sich selbst zu, erscheinen sich selbst fremd. Das Denken und Fühlen wird als sonderbar erlebt und erscheint vom eigenen Ich abgespalten oder wie mechanisch. So wird häufig auch der Körper oder Teile des Körpers als nicht zu einem selbst gehörig empfunden und auch Wahrnehmungen über den Hör-, Tast und Geruchssinn, etc. können verändert empfunden werden.

 

2.6 Dissoziative Trance und Besessenheit: Fast in allen Kulturen existiert die Vorstellung, der Mensch könnte von etwas eingenommen werden, besessen sein. Früher und unglaublicher Weise auch heute noch wird manchmal versucht, solche Zustände mit Exorzismus zu beheben. "Bei Trance und Besessenheitszuständen handelt es sich um Störungen, bei denen eine zeitweilige Veränderung der persönlichen Identität und der vollständigen Wahrnehmung der Umgebung auftritt." In der dissoziativen Besessenheit wird das Bewusstsein so verändert, dass der Betroffene eine neue Identität annimmt, wobei die Verhaltensweisen dieser Identität dem Einfluss "eines Geistes, einer Kraft, einer Gottheit oder einer anderen Person zugeschrieben" werden. Der Betroffene kann sich an dieses Verhalten später nicht mehr oder nur teilweise erinnern.
In der dissoziativen Trance nimmt der Betroffene in einer bestimmten Zeit eine andere Bewusstseinsform an, wobei sich z.B. die Gefühle verändern und von der Umgebung nur bestimmte Dinge wahrgenommen werden.

 

2.7 Dissoziative Identitätsstörung: Hierbei handelt es sich um eine Symptomatik, die infolge massivster Gewalt und frühkindlicher Traumata entstehen kann, nämlich die Aufspaltung in mehrere Personenanteile. Die betroffene Person spaltet sich während eines erlebten Traumas unwissentlich in unterschiedliche Personenanteile, um die Gewalt/das traumatisierende Erlebnis zu überleben.
Näheres hierzu auch unter: MPS - Multiple Persönlichkeitsspaltung

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