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Integration

"Integration"

Einige Fachartikel vertreten die Meinung, dass Integration ("Verschmelzung" der Persönlichkeiten eines multiplen zu einer einzigen Persönlichkeit) das Ziel einer Therapie sein soll.
Diese Entscheidung sollte jedoch jeder Multiple individuell für sich entscheiden dürfen. Zum Einen kann sich dies aufgrund des Verlaufs der Therapie und des Lebens von selbst ergeben, dass z.B. die Schutzmaßnahme nicht weiter nötig ist. Zum Anderen kann auch während des Therapieverlaufs die Angst genommen werden plötzlich alleine zu sein.

Es gibt auch multiple Menschen wo sich nur Teilintegrationen ergeben, z.B. ein vorher angstbesetztes Kind sprechen durfte und danach von einer älteren Person aufgenommen werden kann.

Dann gibt es auch die Variante Viele bleiben zu wollen und einen gemeinsamen Weg durchs Leben zu gehen.

Es gibt so viele mögliche Wege!

"Wer darf es erfahren, wer darf was wissen?"

Eigentlich ist das eines der wichtigsten Themen eines multiplen Menschen. Es ist alles andere als alltäglich auf jemanden zu treffen der viele ist. Es begegnet einem Erstaunen, Unglauben, man wird in Frage gestellt oder schlicht für "verrückt" erklärt. Das Thema spricht auch immer zur gleichen Zeit ein Tabuthema an: unermessliche Gewalt gegen Kinder! Dieses Thema wird verdrängt, darüber wird geschwiegen, man will es nicht wahrhaben und die die es tun, Gewalt auf entsetzliche Weise auszuüben, sind geschickt genug es so gekonnt zu verschleiern, dass es aber auch gar keinen Ermittlungsansatz mehr gibt. Oder schlicht die Vorstellungskraft fehlt.
Aus diesen Gründen wird es fast unmöglich gemacht mit der eigenen Multiplizität offen umzugehen. Man sucht sich genau aus wer es erfahren darf, wie weit man Informationen über sich weitergibt und inwieweit man es offen leben kann. Im Beruf ist es oft schlicht nicht möglich dies zu sagen.
Wenn man sich dazu entschliesst wenigen offen zu begegnen, dann wäre es ideal sich untereinander abzusprechen.

Und dennoch, es gibt Menschen die bereit sind sich mit den Thema auseinander zu setzen und sich bewusst dafür entscheiden, dass sich alle Innenpersonen zeigen dürfen. Das ist ein Prozess der auf Gegenseitigkeit beruht und ein lehrreicher für beide Seiten sein kann.

Die Öffentlichkeit wird in den letzten Jahren immer mehr über MPS informiert. Man kann nur hoffen, dass die Aufmerksamkeit und das Wissen darum, allen betroffen Menschen weiterhelfen kann. Damit sind alle die gemeint die in irgendeiner weise mit diesem Thema zu tun haben.

Beispiel:

Frage:
"Worin liegt der Unterschied zwischen verschiedenen Persönlichkeitsanteilen haben, so wie sie jeder hat, und verschiedenen Persönlichkeiten haben?"

Antwort:
"Ich stelle mir ein fertiges Puzzle vor, die einzelnen Puzzleteile wie die Anteile einer Persönlichkeit, das fertige Puzzle wie die Persönlichkeit als Ganzes. Jeder Teil hat aber immer Beziehung zu anderen und zusammen sind sie immer ein Ganzes".

Wenn das Puzzle zerschlagen wird, dann zerfällt es in die Einzelteile, jedes Einzelteil wie ein Teil der Persönlichkeit, jetzt aber für sich, ohne "Beziehung" zum Ganzen.

 

So stell ich mir MPS vor. Nicht viele Persönlichkeiten an sich, sondern Teile/Aspekte der ursprünglichen Persönlichkeit, die aber ohne Beziehung existieren, die aufgrund eines anhaltenden, immer wiederkehrenden Traumas entstanden sind – und die für sich "existieren", als kleiner Teil des ursprünglichen Ganzen.

Soweit ein Bild zur Erleichterung der Vorstellung.

Der wesentliche Unterschied der Vielen – im Gegensatz zu anderen psychischen Erkrankungen, wie Schizophrenie o.ä. – ist der, dass sich die einzelnen Teile verselbstständigen, jedes für sich den Körper übernehmen kann. Das ist bei anderen Erkrankungen nicht der Fall.
Auch in einer intakten Persönlichkeit sind mal der eine, mal der andere Aspekt stärker, übernehmen aber nie die komplette Kontrolle.

(Hans, Therapeut, 29.06.2003)

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