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In der Pflege

"…  wenn die noch weiter so rumzickt, dann gehen wir da halt zu zweit rein. Mal ´ne richtige Ansage und gut ist. Manchmal muss man härter durchgreifen. Außerdem wird die ja auch immer aggressiver …"
(Pflegefachkraft im stationärem Bereich)

"… schon wieder hat sie eingemacht, das dritte Mal heute. Mit der Wäsche komme ich gar nicht mehr hinterher, und dann die ganze Wimmerei und das Rufen heute Nacht. Ich kann nicht mehr. Meine Ehe zerbricht daran."
(Pflegende Angehörige)

"… warum seid ihr so grob zu mir, warum seid ihr so laut? warum sprecht ihr in meiner Gegenwart über mich und nicht mit mir? Es macht mir Angst! Ich bin doch kein Stück Fleisch. Ich spüre Euch doch, ich nehme Euch doch wahr. Auch eure Wut auf mich, eure Ablehnung."
(Mensch mit Pflegebedarf )

 

Einen Übergriff zu definieren ist nicht einfach, weil eine Pflegesituation nicht nur einen sehr nahen Körperkontakt zwischen Pflegekraft und zu Pflegenden beinhaltet. Es beinhaltet auch verbale und emotionale Interaktionen.

Selbst für einen Menschen ohne Missbrauchserfahrung ist es schwer zu ertragen, von Angehörigen, Unterstützern oder Pflegekräften wie ein Kind behandelt oder verbal mit lautem Befehlston zurechtgewiesen zu werden, um im Familienverband oder in einer Pflegeeinrichtung zu funktionieren.

Jede Stimmung, jede Mentalität wird wechselseitig aufgenommen und erzeugt in sich schon eine Reaktion im Miteinander. Ist die helfende Person wohlgesonnen, ruhig und ausgeglichen,  wirkt sich das auf die gemeinsame Interaktion positiv aus. Ist die helfende Person "schlecht drauf", hat dies ebenso Auswirkungen.

Übergriffe und Gewalt passieren in den seltensten Fällen von heute auf morgen. Es ist ein schleichender Prozess, der sich stetig entwickelt. Pflegende Angehörige und auch Unterstützer und Pflegekräfte erreichen nicht selten durch jahrelange Pflegetätigkeiten ihre eigenen Grenzen und brauchen selber daher frühzeitig Hilfsangebote.

Die eigene körperliche und seelische Überforderung kann dabei zu grobem und ungerechtem Verhalten gegenüber dem zu Pflegenden führen. Ein Mensch mit Pflegebedarf fühlt sich in diesem Spannungsfeld möglicherweise nicht mehr sicher und neigt im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Verteidigung. Diese widerum wird als Angriff wahrgenommen und führt zu weiteren Repressalien, die nicht nur körperliche Gewalt und Übergriffe, sondern auch abwertende Ansprache oder emotionale Vernachlässigung beinhalten können.

All dies kann einen Menschen mit Pflegebedarf in seiner ausgelieferten Situation in eine weitere Traumatisierung führen oder bestehende Traumata verstärken.

Für einen Menschen mit schwerer Behinderung und Pflegebedarf ist eine totale Abhängigkeit von der Pflege oder Assistenzkraft bzw. den Angehörigen gegeben.

Diese Abhängigkeit ist dem Menschen mit Pflegebedarf vollkommen bewusst. Ihm oder ihr sind nur noch begrenzte bis gar keine Möglichkeiten gegeben sich der Pflegebeziehung entziehen zu können.

Es liegt erheblich in der Selbstprüfung der Pflege- oder Assistenzkraft bzw. den Angehörigen, vorzeitig zu erkennen, wie es um die Pflegebeziehung steht. Dass es auch Tyrannen mit Pflegebedarf gibt, liegt in der Natur des Menschen, doch auch dafür ist Gewalt keine Lösung.

Es gibt keinen Grund, dass in irgendeiner Form Macht demonstriert werden muss, damit jemand pflegeleichter wird.

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