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Umgang mit Betroffenen - für Verbündete und Partner

(Verbündete können sein, Eltern, Geschwister, Partner, Freunde, Verwandte, alle Menschen die eben mit Betroffenen Kontakt pflegen - mit Betroffenen befreundet sind)

Als Verbündete(r) und Partner(in) fühlt man sich oftmals hilflos gegenüber allen Folgen und Auswirkungen, die sexueller Kindesmissbrauch "nach sich zieht".

  • Was sich wünschen sich Betroffene?
  • Was erwarten Betroffene?
  • Was ist für Sie selbst wichtig und worauf sollten Sie bei sich selbst achten?


"Vergiss das doch einfach!"


Oftmals bekommen Betroffene Worte zu hören wie "vergiss das doch endlich, es ist schon so lange her!" Betroffene würden alles dafür geben, einfach "vergessen" zu können, aber wer solches erleben musste, wird niemals vergessen. Von daher sind solche Aussagen unüberlegt und meist eine Reaktion von Verbündeten, die einfach die Wahrheit nicht ertragen können. Sexueller Missbrauch ist etwas, was sich ein Leben lang auswirken wird. Dessen müssen sich alle die mit Betroffenen "zu tun haben" bewusst sein. Es ist nicht rückgängig zu machen und auch nicht zu vergessen, aber man (Betroffene und Verbündete) kann lernen damit umzugehen.

"Warum erfolgt(e) keine Anzeige?"

Oftmals kann von Verbündeten nicht nachvollzogen werden, weshalb die/der Betroffene keine – auch später nicht - Anzeige erstattet/erstattet hat.

Sexueller Kindesmissbrauch ist ein sehr traumatisierendes Erlebnis. Die/der Betroffene war meist - über Jahre hinweg unfähig - sich zu wehren. Oftmals (wenn er/sie sich denn äußerte) wurde ihr/ihm nicht geglaubt! Geschweige denn geholfen! Nicht selten wurde "dem Kind" alleine  "die Schuld" an dem Geschehenen zugesprochen. Der/die Betroffene wurde manipuliert und ihre/seine Wahrnehmung vernebelt.

Wurde der Missbrauch z.B. im Elternhaus verübt, besteht oftmals trotz allem eine Eltern-Kind Beziehung. Die/der Betroffene hat eine Gefühlsebene zu dem/der Täter(in): "Auch wenn er/sie mir das angetan hat – er/sie ist doch trotz allem mein Vater/meine Mutter!" Zum anderen wird der Missbrauch nicht selten von Familienmitgliedern als "Einbildung" der Betroffenen - "heruntergespielt". Dieser Umstand erschwert es, evtl. eine Anzeige auch nach langer Zeit zu erstatten. Die/der Betroffene zweifelt weiterhin an der eigenen Wahrnehmung "vielleicht haben die doch Recht und ich bilde mir das alles nur ein", "Wenn ich Anzeige erstatte, ist die ganze Familie gegen mich!, "Es glaubt mir jetzt sowieso keiner mehr!".

Dies und weiteres einigermaßen aufzuarbeiten dauert meist mehrere Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte. Oftmals können sich Betroffene erst sehr viel später überhaupt an den Missbrauch erinnern (etwa durch die so genannten Flashbacks). Dann wiederum benötigen sie oft eine sehr langwierige Therapie um in erster Linie "mit dem eigenen Leben" und den Folgen des Missbrauchs einigermaßen zurecht zu kommen. Problematik hierin - ist die/der Betroffene so stabil, um sich auf alles was eine mögliche Anzeige beinhaltet einzulassen, ist meist die Verjährungsfrist abgelaufen.

Fazit: Bedrängen Sie die/den Betroffene(n) nicht mit Fragen bzgl. der Anzeige, aber unterstützen Sie - falls die/der Betroffene Anzeige erstatten möchte - wann immer das auch sein wird.

Folgen

Sexueller Kindesmissbrauch kann verschiedene mögliche Folgen für den/die Betroffene nach sich ziehen. Machen Sie sich mit den möglichen Folgen vertraut, informieren Sie sich darüber, ggf. informieren Sie sich auch gezielt - sollte Ihnen eine Diagnose mitgeteilt worden sein. So werden Sie auch dem/der Betroffenen gegenüber sicherer und es fällt Ihnen leichter mit alldem umzugehen. Jedoch unterlassen Sie in jedem Fall, selbst eine Diagnose zu stellen!

Beratung/Selbsthilfegruppen

Auch Sie selbst könnten unter Umständen Hilfe brauchen. Scheuen Sie sich nicht, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Womöglich finden Sie auch andere Menschen, mit denen Sie sich austauschen können, die sich in der gleichen oder ähnlichen Situation befinden.

Eigene Grenzen setzen

Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen und setzen Sie diese eindeutig. Wenn Sie rund um die Uhr für den/die Betroffene(n) da sind, werden Sie nach kurzer Zeit ausgebrannt sein und sich zurückziehen oder einen Groll gegen sie/ihn entwickeln. Am besten ist es, wenn Sie in einem für Sie und der/dem Betroffenen überschaubaren Rahmen Ihre Unterstützung anbieten. Versuchen Sie nicht, der/die "Ersatztherapeut/in" zu sein!

Speziell für Partner(innen) - Lebensgefährten

Mit einer/einem Betroffenen eine Partnerschaft zu führen, bedeutet auch sehr oft verunsichert zu werden.

  • Sprechen Sie offen mit ihr/ihm über Ihre Gefühle und Unsicherheiten.
  • Seien Sie ehrlich. Fragen Sie nach, wenn Sie bestimmte Dinge beschäftigen – aber tun Sie das so sensibel wie möglich.
  • Klären Sie mit ihrer Partnerin/Ihrem Partner ab, welche Verwandten/Bekannten "eingeweiht" wurden und welche nicht, akzeptieren Sie die Entscheidung über Personen die auch in Zukunft nicht "eingeweiht" werden sollen.
  • Sollte der Missbrauch vom Elternhaus ausgegangen sein, akzeptieren Sie, wenn Ihre Partnerin/Ihr Partner zu diesem keinen weiteren Kontakt wünscht und unterstützen Sie sie/ihn dabei. Das gleiche gilt selbstverständlich auch in Bezug auf andere Täter(innen).
  • Informieren Sie sich über Diagnose, Therapie und Behandlungsverlauf Ihrer Partnerin/ Ihres Partners. Wenn Ihre Partnerin/Ihr Partner damit einverstanden ist: Bitten Sie den/die Therapeuten/in um ein Gespräch, bei dem ihre Partnerin/Ihr Partner mit anwesend ist und stellen Sie Fragen, die Ihnen auf der Seele liegen. Dies sollten Sie allerdings nur mit Einverständnis ihres Partners/ Ihrer Partnerin tun, damit er/sie nicht den Eindruck gewinnt "etwas geschieht hinter ihrem/seinem Rücken".
  • Auch eine Eheberatung oder Paartherapie kann sinnvoll sein.
  • Nicht alle Probleme die in der Partnerschaft aufkommen - sind der "Vergangenheit" Ihres Partners/Ihrer Partnerin zuzuschreiben. Stellen Sie sich auch selbst in Ihrem Verhalten in Frage und verändern Sie dies wo nötig/möglich um die Partnerschaft zu verbessern.

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