ich weiß im Moment ehrlich gesagt nicht mehr, wo mir der Kopf steht und hoffe auf Austausch mit Menschen, die vielleicht Ähnliches erlebt haben.
Ich bin alleinerziehende Mutter eines dreijährigen Sohnes. Sein Vater und ich sind seit der Schwangerschaft getrennt. Ich habe das alleinige Sorgerecht.
Über einen kurzen Zeitraum fanden Umgangskontakte statt. Irgendwann habe ich diese sogar begleitet, weil ich wollte, dass mein Sohn Kontakt zu seinem Vater haben kann. Im Laufe der Zeit fielen mir jedoch immer mehr Verhaltensveränderungen bei meinem Sohn auf. Er war nach den Umgängen häufig sehr anhänglich, zeigte Schwierigkeiten bei Trennungen und veränderte sich auch in der Kita. Die Erzieherinnen dokumentierten ihre Beobachtungen ebenfalls.
Im Laufe der Zeit begann mein Sohn außerdem, mir gegenüber immer wieder spontan Aussagen zu machen. Diese kamen ohne vorherige Gespräche über seinen Vater und ohne dass ich ihn dazu befragt habe. Er schilderte unter anderem, dass sein Vater seinen Penis angefasst habe, ihm am Penis wehgetan habe, zeigte sogar eine handbewegung und äußert seit einiger Zeit immer wieder ähnliche Aussagen. Erst vor wenigen Tagen sagte er beim Baden plötzlich: „Papa darf meinen Penis nicht mehr anfassen.“ Dabei zeigte er eine Handbewegung und sagte: „Der hat so gemacht. Der hat den ganz lang gezogen, dann hab ich geweint.“ Am nächsten Morgen kam er wie üblich zu mir ins Bett und sagte spontan: „Mama, mein Penis tut weh.“ Auf meine Frage, warum, antwortete er: „Weil mein Papa mir da wehgetan hat.“
Ich dokumentiere solche Äußerungen möglichst wortwörtlich und frage ihn nicht weiter aus.
Auf Empfehlung des Jugendamtes wurde mein Sohn einer Fachberatung vorgestellt. Dort fanden inzwischen mehrere Termine statt. Nach Abschluss der ersten Gespräche teilte mir die Fachberaterin mit, dass sie Hinweise sehe und die Dokumentationen der Kita für bedeutsam halte. Gleichzeitig erklärte sie aber auch, dass mein Sohn ihr gegenüber keine konkreten Schilderungen gemacht habe und dass sie deshalb weiter mit ihm arbeiten möchte, um Vertrauen aufzubauen.
Parallel dazu läuft inzwischen wieder ein familiengerichtliches Verfahren. Der Kindesvater hat einen Antrag gestellt und wirft mir vor, ich würde den Umgang vereiteln und die Vorwürfe erfinden. Ich werde anwaltlich vertreten und meine Anwältin wird auf den Antrag reagieren.
Ich fühle mich im Moment zwischen allen Fronten. Einerseits habe ich große Angst, meinen Sohn nicht ausreichend zu schützen. Andererseits habe ich Angst, dass seine Aussagen oder die Beobachtungen der Kita verharmlost werden, nur weil er bisher nur mir gegenüber so offen gesprochen hat. Gleichzeitig weiß ich, dass ich ihn auf keinen Fall beeinflussen oder unter Druck setzen möchte. Deshalb dokumentiere ich seine spontanen Aussagen lediglich und lasse die weitere Einschätzung den Fachleuten.
Im Moment weiß ich oft nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Ich habe Angst vor den gerichtlichen Entscheidungen und davor, dass über das Leben meines Sohnes entschieden wird, obwohl ich als Mutter das Gefühl habe, ihn schützen zu müssen.
Mich würde interessieren:
* Hat jemand von euch erlebt, dass ein so kleines Kind nur einem Elternteil von belastenden Dingen erzählt hat?
* Wie seid ihr mit dieser Unsicherheit umgegangen?
* Wie habt ihr die Zeit zwischen Jugendamt, Fachberatung und Gerichtsverfahren erlebt?
Ich wünsche mir einfach einen Austausch mit Menschen, die diese Ängste nachvollziehen können.