Auch Pfadfinderverbände von Missbrauch betroffen

3 Studien in den letzten 1,5 Jahren bringen auch hier erschreckendes zu Tage

In den letzten Monaten haben die drei großen deutschen Pfadfinderverbände durch wissenschaftliche Studien ein erschütterndes Ausmaß an sexualisierter Gewalt in ihren Reihen öffentlich gemacht und damit eine tiefgreifende institutionelle Aufarbeitung eingeleitet. Die Ergebnisse der Untersuchungen, die unter anderem auf den

offiziellen Webseiten der DPSG und im Infoportal des VCP dokumentiert sind, zeichnen das Bild eines jahrzehntelangen Versagens, bei dem spezifische Verbandsstrukturen den Missbrauch begünstigten und Täter schützten.

Ein zentrales Ergebnis der im Januar und Februar 2026 veröffentlichten Berichte ist die hohe Zahl der Betroffenen. Während der evangelische VCP für den Zeitraum von 1973 bis 2024 insgesamt 344 Betroffene und 161 mutmaßliche Täter identifizierte, belegte der interkonfessionelle BdP bereits zuvor mindestens 149 Fälle. Die katholische DPSG wird in ihrer aktuellen Studie sogar als teilweise „durchsetzt von sexualisierter Gewalt“ beschrieben. Gemeinsam ist allen Berichten die Erkenntnis, dass das Ideal der „Pfadfinder-Familie“ und die enge Gemeinschaft einen enormen Loyalitätsdruck erzeugten. Dies führte dazu, dass Kritik oft als Verrat an der Gruppe gewertet wurde, was ein Klima des Schweigens schuf und den Tätern über Jahre hinweg Schutz bot.

Die Studien machen zudem deutlich, dass die Täter häufig als besonders engagierte oder unentbehrliche Führungspersönlichkeiten auftraten, was sie innerhalb der Hierarchien unantastbar machte. Übergriffe fanden dabei oft in informellen Räumen statt, wie etwa bei Zeltlagern oder privaten Treffen, die sich der direkten Kontrolle entzogen. Ein schwerwiegender Vorwurf der Studien lautet, dass Meldungen von Missbrauch in der Vergangenheit oft nur intern behandelt wurden, um das Ansehen des jeweiligen Verbandes nicht zu gefährden, anstatt strafrechtliche Konsequenzen zu ziehen.

Als Reaktion auf diese Befunde haben die Bundesleitungen der Verbände eine umfassende Reform ihrer Präventionsarbeit angekündigt. Geplant sind neben verschärften Verhaltenskodizes vor allem unabhängige Meldewege und eine intensive Schulung von Gruppenleitern, um Warnsignale frühzeitig zu erkennen. Die Aufarbeitung wird laut den Verantwortlichen als ein dauerhafter Prozess verstanden, der nicht mit der Veröffentlichung der Zahlen endet, sondern eine fundamentale kulturelle Veränderung innerhalb der deutschen Pfadfinderbewegung einleiten muss.

Hier sind die direkten Links zu den Veröffentlichungen und Studienseiten der drei Verbände:


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