Symptome

Eine PTBS kann nach einem Trauma kurzfristig oder zeitlich verzögert auftreten. Manchmal dauert es Jahrzehnte bis Symptome auftreten.

Treten die Symptome zeitnah auf ist die Diagnose und Behandlung „einfacher“, da ein Zusammenhang zwischen dem Trauma und den Symptomen hergestellt werden kann. Treten die Symptome erst nach Jahrzehnten auf, wird sehr oft der Zusammenhang mit dem Trauma nicht erkannt, und Betroffene können nicht richtig behandelt werden.

Typische Symptome einer PTBS nach dem ICD-11 sind

  1. Wiedererleben des traumatischen Ereignisses oder der traumatischen Ereignisse in der Gegenwart in Form von lebhaften intrusiven Erinnerungen, Flashbacks oder Albträumen, typischerweise verbunden mit starken oder überflutenden Emotionen wie Angst oder Horror und starken körperlichen Empfindungen, oder Gefühlen von Überflutung oder Versunkensein mit den gleichen intensiven Emotionen wie während des traumatischen Ereignisses.
     
  2. Vermeidung von Gedanken und Erinnerungen an das Ereignis oder die Ereignisse oder Vermeidung von Aktivitäten, Situationen oder Menschen, die an das Ereignis oder die Ereignisse erinnern. (Vermeidung von „Triggern“)
     
  3. Anhaltende Wahrnehmung einer erhöhten aktuellen Bedrohung, wie zum Beispiel durch Hypervigilanz oder verstärkter Schreckhaftigkeit auf Reize wie unerwartete Geräusche.

(Der medizinische Begriff Hypervigilianz bedeutet, dass Betroffene sehr schreckhaft und immer auf der Hut sind. Es besteht nicht die Gewissheit, dass das Leben sicher ist, sondern es ist gewiss, dass jeder Zeit ein Unglück geschehen kann. „Niemandem ist zu trauen“, „überall lauert Gefahr“.)

Die Symptome bleiben mindestens einige Wochen bestehen und führen zu erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen.

Bei einer komplexen PTBS (kPTBS) zeigen sich alle Kernsymptome wie bei einer „einfachen“ PTBS. Zusätzlich ist die kPTBS nach dem ICD-11 charakterisiert durch

  1. schwerwiegende und anhaltende Probleme der Affektregulation (d.h. intensiv auftretende Gefühle - auch körperliche - können nicht oder nur schwer reguliert werden)
     
  2. andauernde Ansichten über ein vermindertes, unterlegenes oder wertloses Selbst, verbunden mit schweren und tiefgreifenden Gefühlen von Scham, Schuld oder Versagen in Verbindung mit dem traumatischen Ereignis; und
     
  3. tiefgreifende Beziehungsstörungen, Schwierigkeiten, Beziehungen aufrechtzuerhalten und sich anderen nahe zu fühlen.

Diese Symptome führen zu erheblichen Beeinträchtigungen in persönlichen, familiären, sozialen, schulischen, beruflichen oder anderen wichtigen Lebensbereichen.

Soweit die „offiziellen“ Symptome, die zur Stellung einer Diagnose in Zukunft herangezogen werden. Obwohl die Klassifikation nach ICD-11 erst 2022 in Kraft tritt, haben wir uns entschieden, diese hier aufzuführen, da der ICD-10 noch keine kPTBS enthält. 

Zur Ergänzung möchten wir noch folgendes anmerken:

  • Veränderungen in den Beziehungen zu anderen sind häufig geprägt von Misstrauen und einer Tendenz wieder zum Opfer zu werden.
     
  • Körperliche Symptome mit psychischen Ursachen wie chronische Schmerzen, Magen-Darm Beschwerden, Herzbeschwerden, auch hoher Blutdruck, Diabetes, Probleme mit der Sexualität können nachgewiesenermaßen die Folgen eines Traumas sein.

Neben den o.g. Symptomen als Reaktion auf ein Trauma können sich eine Vielzahl von Symptomen entwickeln, es gibt kein einheitliches Muster wonach ein Trauma als Ursache diagnostiziert werden könnte.

Die amerikanische Psychologin Judith Herman geht davon aus, dass bei vielen psychischen Erkrankungen wie Borderline, bipolare Störung, Suchterkrankung, Schizophrenie, Angststörung, Depression, ein nicht erkanntes und behandeltes Trauma zugrunde liegt. (Eine Auffassung, die auch die Verfasserin dieses Textes teilt).     


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