Sexueller Missbrauch gegen Kinder betrifft alle Geschlechter – und das deutlich stärker, als lange angenommen wurde. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen geringer ist als früher vermutet: Weltweit berichtet etwa jede fünfte Frau und etwa jeder sechste Mann, dass sie vor ihrem 18. Lebensjahr sexuelle Gewalt erlebt haben. Damit wird deutlich, dass nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen in hohem Maße betroffen sind und stärker in Prävention und Aufklärung einbezogen werden müssen. Weitere Informationen dazu bietet auch dieser Artikel von Spektrum: https://www.spektrum.de/news/sexuelle-gewalt-an-kindern-weit-verbreitet/2318479
Gerade bei männlichen Betroffenen zeigt sich jedoch ein besonderes Problem: Sie nehmen Hilfsangebote deutlich seltener in Anspruch und es gibt insgesamt weniger speziell auf sie zugeschnittene Unterstützungsangebote. Gründe dafür sind unter anderem gesellschaftliche Erwartungen an Männlichkeit, Scham sowie die Angst, nicht ernst genommen zu werden. Dadurch bleiben viele Fälle unsichtbar, und betroffene Jungen und Männer erhalten oft nicht die Hilfe, die sie benötigen. Fachleute weisen deshalb darauf hin, dass bestehende Hilfsstrukturen stärker auch auf männliche Betroffene ausgerichtet und sichtbarer gemacht werden müssen.
Grundlage dieser Erkenntnisse ist eine der bislang umfassendsten Studien zu diesem Thema, in der über 1.400 Untersuchungen aus 147 Ländern ausgewertet wurden. Ziel war es, ein möglichst genaues Bild der weltweiten Verbreitung sexueller Gewalt gegen Kinder zu erhalten. Die Ergebnisse machen deutlich, dass es sich um ein globales Problem handelt, das in allen Gesellschaften vorkommt.
Dabei zeigen sich zwar Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen, diese lassen sich jedoch nicht allein durch die tatsächliche Häufigkeit erklären. Gesellschaftliche Faktoren wie Scham, Angst oder Tabus spielen eine große Rolle dabei, ob Betroffene über ihre Erfahrungen sprechen. Deshalb ist davon auszugehen, dass die tatsächlichen Zahlen noch höher sind als die erhobenen Daten.